Neue EU-Verordnung bedeutet das Ende für verschlüsselte Chats

23.03.2022

Neue EU-Verordnung bedeutet das Ende für verschlüsselte Chats

In der Europäische Union wird eine neue EU-Verordnung wohl für das Ende der Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen vieler Messenger Dienste sorgen. Die Motive dahinter scheinen auf den ersten Blick nobel, so soll Kindesmissbrauch leichter aufgespürt werden. Die Betreiberunternehmen sollen so verpflichtet werden Ihren Beitrag gegen Kindesmissbrauch zu leisten, in dem durch das sogenannte Client-Side-Scanning Kinderpornographie aufgespürt werden soll und die Verbreitung so verhindert werden soll. Das Aufspüren soll dabei über einen Abgleich mit einer Datenbank erfolgen, in der digitale Signaturen allen bekannten Materials hinterlegt ist.

Da das Instrument allerdings auch gegen Missbrauch geschützt werden soll, bedarf es nicht nur Kontrollmaßnahmen seitens der EU-Behörden, sondern auch einer klaren Definition der Inhalte nach den eigentlich gesucht werden soll. Und durch den Abgleich mit einer bereits existierenden Datenbank, kann auch nur nach bereits bekanntem Material gesucht werden. Unterstützt werden soll das ganze zu dem durch KI-Algorithmen, die auf den Bildern zum Beispiel Personengrößen und Anteile hautähnlicher Farbtöne auswerten. Diese Methode produziert aktuell allerdings weitaus mehr falsche als echte Treffer.

Ist so etwas erstmal Realität, kann es leicht auch auf andere kriminelle Aktivitäten ausgeweitet werden – oder eben auch auf Bereiche, die nichts mit kriminellen Aktivitäten zu tun haben. Verschlüsselte Kommunikation ermöglicht auch den Austausch viel unliebsamer, politischer Ansichten oder in manchem Staat auch das umgehen von Zensur. So hatten 2011 die Ägypter sich mithilfe des Facebook Messengers organisiert und so den damaligen Diktator gestürzt, auch wenn sich die Lage für die Ägypter durch einen späteren Militärputsch 2013 wieder deutlich verschlechtert hat.

Auch im heutigen Russland dürften Dienste wie Telegram der einzige weg sein, Nachrichten ohne die Färbung des Staatsfernsehens auszutauschen.

Viele europäische Datenschützer und Bürgerrechtsorganisationen warnten bereits in einem offenen Brief an die EU-Kommission vor einem gefährlichen Präzedenzfall von Massenüberwachung privater Kommunikation.

Freie Kommunikation ist ein Eckpfeiler der Demokratie und solche Regelungen treffen auch in erster Linie Unternehmen auf die man wohl direkt Zugriff hätte wie Facebooks Messenger oder Whatsapp oder das schweizerische Signal, ob man Dienste wie das russische Telegram dazu verpflichten kann, dürfte eher fraglich sein.